Forum - Mahrer will Arbeitslose zu längerem Pendeln verpflichten

 
Billie-Blue

Derzeit können Arbeitslose eine Stelle ablehnen, wenn die Fahrtzeit hin und zurück mehr als 2 Stunden beträgt. Der Präsident der WK Harald Mahrer sprach sich gestern dafür aus, dass Arbeitssuchende auch weiter pendeln müssen und auch ein Übersiedeln an einen anderen Ort möglich sein muss. Zum Beispiel vom Osten Österreichs in den Westen.

Die Gewerkschaft lehnt dies ab. Eine Änderung der Zumutbarkeit bedeute eine  Verschärfung der Situation der Arbeitslosen. Der ÖGM fordert Maßnahmen, die neue Jobs entstehen lassen. Derzeit kommen auf eine freie Stelle 6 Arbeitssuchende.

Auch fordert Mahrer ein sinkendes Arbeitslosengeld.

Ich finde es unverschämt, von Leuten zu fordern, dass sie an einen anderen Wohnort ziehen müssen. Soll man dann sein Haus verkaufen, die Kinder aus der Schule, aus dem Umfeld nehmen? So etwas kann doch keiner ernst meinen. Und wenn man dort den Job verliert, wieder umziehen? Wie kann sich so ein Mensch, ein Ehepaar, eine Familie eine Zukunft,  ein Leben aufbauen?Das ist moderne Sklaverei.

Wenn auf eine Stelle sechs Suchende kommen, wie soll das funktionieren? Zuerst mit den Coronamaßnahmen die Wirtschaft schädigen und dann sollen es diese Menschen auch noch ausbaden? Indem man ihnen Geld kürzt, obwohl sie unverschuldet arbeitslos wurden?

Meiner Meinung nach ist die Regierung jetzt gefordert, Arbeitstellen zu schaffen. Kurz im März " Koste es was es wolle". Wer zahlt diese Kosten? Die Schwächsten.

 Quelle: DerStandard

 

Zuletzt bearbeitet von Billie-Blue am 10.09.2020 um 11:58 Uhr

Goldioma

Und wie war es früher? In die Schule in Wien war ich mind.45 min 1 Weg unterwegs. Später dann Imst- Innsbruck jeden Tag ins Finanzamt, später dann Elbigenalp - Reutte ins Finanzamt. Mein Mann war beim Bundesheer und war nur am Wochenende zu Haus da es in Elbigenalp keine Kaseren gab. usw. Ging auch.

Zwiebel

Sorry goldioma, aber ich finde, dass du so ein Arbeitsleben gelebt hast, ist keine Rechtfertigung dafür, das von der Allgemeinheit zu fordern.

Ich finde es ungeheuerlich, sowas zu fordern von den Menschen, wie billie-blue schreibt: Sklaverei. Ein system, in dem der Mensch nur noch für die Wirtschaft da ist und nicht umgekehrt. Ich bin aber zuversichtlich, dass so ein umzugszwang vor dem VfGH nicht standhalten würde, EMRK sei Dank. 

Beatus

Da muß ich Goldioma schon recht geben, es war eben so, daß wir große Wegzeiten in Kauf nehmen mussten. Aber niemand, auch nicht Goldioma fordert dies von der Allgemeinheit - bitte sinnerfassend lesen. Und die Höhe des Arbeitslosengeldes hat dazu geführt, daß die Menschen eben lieber davon leben, als sich Arbeit zu suchen. Aber jeder wie er meint .....

Goldioma

Lieber Beatus, das ist wirklich ein Problem, dass manche Arbeitslosen an der "chronischen Tachinose" leiden. Bei mir hat sich, als ich als Geschäftsführerin in einem Handelsgeschäft gearbeitet habe, ein jüngerer Mann vorgestellt: Grüß Gott, ich soll hier arbeiten. Wann bekomme ich den ersten Urlaub? --Die meisten leben sehr gut von der Arbeitslosen, Wohngeldzuschuss usw. was die noch bekommen.  Die heutige Arbeitsmoral ist eine ganz andere wie es früher war. 

Maisi

Ich bin ganz bei Goldioma und Beatus. Leider ist die Höhe des jetztigen Arbeitslosengelds nicht sonderlich hilflich, damit sich Menschen Arbeit suchen. Ich kenne viele Menschen, die auf Montage arbeiten und 4-5 Tage die Woche durchgehend nicht nach Hause kommen. Leider ist die Höhe des Arbeitslosengeldes nicht unbedingt fördlich, damit man sich eine Arbeit sucht.

Silviatempelmayr

Ist bestimmt auch schwer sich nach der Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit wieder aufzuraffen und 40 Stunden zu arbeiten. Noch dazu wenn das Arbeitslosengeld nicht gerade wenig ist.

Zwiebel

Lieber beatus, nach meinem Verständnis fordert Mahrer das sehr wohl von der Allgemeinheit. 

 

Was hat die Frage nach der Angemessenheit der Höhe des Arbeitslosengeldes mit der Zumutbatkeit von Umzügen quer durch Österreich zwecks Aufnahme einer vom AMS vermittelten Arbeit zu tun?

Zuletzt bearbeitet von Zwiebel am 10.09.2020 um 15:32 Uhr

Billie-Blue

Ich glaube, manche verstehen nicht, was es bedeutet, wenn auf 1 Arbeitsstelle 6 Arbeitssuchende kommen. Bis auf Ausnahmen, die es nun mal gibt, ist niemand gerne arbeitslos. Es ist allgemein bekannt, wie viele gut qualifizierte Menschen auf 100 Bewerbungen keine einzige Antwort erhalten. Diese Menschen schämen sich dafür, arbeitslos zu sein.

Und die Arbeitslosenzahlen werden noch steigen. Und nicht, weil die Leute zu faul sind......

moga67

Man kann da nicht alle in einen Topf werfen -
mein Mann hat einige Mal erzählt, dass er vom AMS Leute geschickt bekommen hat, die keine Lust auf die Arbeit hatten sondern nur die Bestätigung wollten (die es dann so nicht gab)

Umgekehrt sind viele Arbeiter die ganze Woche, von der Familie getrennt um Geld zu verdienen. Das Familienleben kommt da sicherlich zu kurz und auch das Leben in der Ferne fällt vielen schwer.

Pendler aus dem oberen Mühlviertel brauchen oft schon 1 3/4 Stunden inklusive Stauchaos für eine Hinfahrt zur Arbeit - da kann man locker auch nach Wien mit dem Zug fahren. Dazu wäre ich auch bereit aber von Ost nach Westösterreich käme für mich auch nicht in Frage.

Harald Mahrer kann leicht reden - er hat sich aus Wien auch nicht wirklich wegbewegt aber bei seinem Gehalt könnte er sich in zB Dornbirn eine super eingerichtetes Haus leisten - und würde nicht in einem Zimmer sitzen um Geld für die Familie zu haben!!!!!!!

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